Deutschland Pokal 2019 in Schwäbisch Gmünd

Kai am Boden während der ersten Akrobatikbahn mit Roller vw, Rondat, Doppel-Flickflack. Foto: Jörg-Otto Niebuhr

Das erste Novemberwochenende war für einen unserer Turner etwas ganz besonderes. Als Landeskaderturner schaffte Kai die Qualifikation für die diesjährige AK 9/10 Mannschaft des VTF und vertrat somit gemeinsam mit Bogdan (ATSV), Edgar und Jonas (beide HNT) Hamburg bei diesem neben den Deutschen Jugendmeisterschaften wichtigsten nationalen Jugendwettkampf. Wie schon im letzten Jahr war aber eine weite Anreise nötig – nämlich in die Turnhochburg Schwäbisch Gmünd, wo der TV Wetzgau mit Andreas Toba und Arthur Dalaloyan seine Heimwettkämpfe in der DTL austrägt. Wie in jedem Jahr wurde der Wettkampf als Mannschaftswettkampf zwischen den Landesverbänden ausgetragen. Eine Mannschaft besteht aus vier Turnern, die alle ans Gerät gehen können und eine Streichwertung haben (Modus 4/3/3). In der Altersklasse 9/10 werden die Pflichtübungen geturnt, die im Regelfall eine Maximalpunktzahl von 10 Punkten haben. Je nach Gerät gibt es dann noch Bonifikationen für einen sicheren Stand beim Abgang.

Der 01. November bot sich als Brückentag für eine gemütliche Anreise an, die mit einer letzten Trainingseinheit im Sportleistungszentrum Hannover unter Aufsicht des Landeskadertrainers Edwin Palnau und Hamburger Oberkampfrichter René Schwarz begangen wurde. Nach gemeinsamen Mittagessen waren es dann weitere 6 Stunden Autofahrt nach Schwäbisch Gmünd.

Am Samstag konnten die Jungs sich dann von der Anreise erholen und die Wettkämpfe der älteren Jahrgänge 11/12, 13/14 sowie 15-18 bestaunen. Bejubelt wurde hier insbesondere Trainingskollege Jarne (HNT), der in diesem Wettkampf in der Altersklasse 13/14 für den NTB antrat und einen respektablen 5. Rang erreichte. Einerseits war es natürlich gut sich schon einmal an die riesige Halle zu gewöhnen, aber andererseits stieg natürlich auch langsam die Nervosität. Da Kai, Edgar und Bogdan bereits letztes Jahr dabei waren und durch Jonas eine große Verstärkung erhielten, war eine Verbesserung gegenüber Rang 12 im letzten Jahr die klare Zielsetzung. Doch als kleinster teilnehmender Landesverband neben Verbänden wie Berlin, Baden, Schwaben und auch Hessen würde das sehr schwer werden. Trotzdem liebäugelte das Quartett mit einem Platz unter den Top 10.

Am Sonntag Morgen um 10 Uhr war es dann endlich soweit – der Wettkampf konnte endlich beginnen. Trotz guter Vorbereitung war die Anspannung groß, denn es ging als erstes ausgerechnet an den Barren und danach ans Reck, also genau die beiden Geräte, die im letzten Jahr große Schwierigkeiten bereiteten. Am Barren erturnten Bogdan, Edgar und Jonas jedoch zusammen gute 19,55 Punkte, so dass kurzfristig entschieden wurde, dass Kai dieses von ihm besonders ungeliebte Gerät nicht turnen würde. Das zahlte sich aus, denn so ging er voller Elan ans Reck und erreichte mit einer ordentlichen Übung 5,90 Punkte. Die anderen drei drehten so dann richtig auf und so erreichte das Team hervorragende 23,55 Punkte an diesem „Königsgerät“. Die Einstieg in den Wettkampf war gelungen!

Als nächstes ging es an den Boden. Da die Übung hier sehr lang ist, finden die Kampfrichter natürlich auch viele Ansätze für Abzüge. 19,90 Punkte in Summe gingen in Ordnung und Kai konnte sich über seine beigesteuerten 5,85 Punkte als zweitbeste Wertung freuen. Doch nun ging es an das nächste Zittergerät, das Pauschenpferd.

In der Pflichtübung dieser Altersklasse wird noch gar kein richtiges Pauschenpferd geturnt, sondern stattdessen zwei Halbgeräte, nämlich der Pilz und der EInpauschenpilz. Wie das große Pauschenpferd kann man hier sehr leicht stürzen. Ein einziger falscher Griff und eine gute Wertung kann kaum noch erzielt werden. Gezeigt werden mussten am Einpauschenpilz fünf Kreisflanken am Stück. Nun offenbarte sich der Wettkampfgeist, denn alle vier Jungs zeigten ihre Übung ohne einen einzigen Sturz. Der folgende große Pilz wurde dann gewohnt sauber geturnt und in Kombination dieser beiden Halbgeräte das „Pauschenpferd“ mit starken 23,735 bezwungen. Danach waren die Jungs so euphorisch, dass sie das Kampfgericht an den Ringen direkt baten beginnen zu können, obwohl eigentlich die Mannschaft aus Rheinland-Pfalz vorlegen sollte. Der Wunsch wurde gewährt und die Turner zeigten nahezu gleichwertige Übungen, die sich zwischen 6,90 und 7,35 Punkten bewegten.

letzter Sprung: Salto vw gestreckt mit anschließender Flugrolle

Als letztes ging es nun an die beiden Sprünge: Handstand-Überschlag über den Sprungtische und Salto vorwärts gestreckt mit anschließender Flugrolle als methodischen Sprung. Da Kai hier seit Monaten sehr starke Sprünge zeigt, oblag ihm die Ehre (oder Bürde) des jeweils letzten Sprunges. Die Kollegen legten mit 8,30 – 8,75er Wertungen am Tisch gut vor, so dass Kai ohne Druck einen starken Sprung über den Tisch mit 8,80 nachliefern konnte. Auch beim zweiten Sprung gelangen dann nur zwei Sprünge ordentlich, so dass noch ein guter Sprung von Kai her musste. Er brannte förmlich darauf endlich springen zu können und scharrte quasi schon mit den Hufen, während die Kampfrichter noch Edgars Sprung bewerteten. Als die Bahn freigegeben wurde katapultierte sich Kai in eine an diesem Tag selten gesehene Höhe, so dass Trainer und auch Kampfrichter staunten. Die verdienten 9,10 Punkte für diesen wuchtigen Sprung sorgten nicht nur für grandiose 26,15 Punkte am Sprung für die Mannschaft, sondern auch für Rang 15 der Sprungeinzelwertung deutschlandweit für Kai.

Am Ende hatte das Team mit dem Podest zwar nichts zu tun, jedoch ist der erreichte Rang 8 aller Ehren wert. Zufrieden konnte also die Heimreise angetreten werden neun Stunden später lagen alle erschöpft in ihren Betten und träumten vermutlich von Saltis, Schrauben, Kovacs‘, Thomasflanken und anderen Elementen.

 

 

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